Kurz gesagt: Ein Kegerator ist ein Kühlschrank, in dem ein ganzes Keg steht. Oben auf dem Gerät sitzt eine Zapfsäule, eine CO2-Flasche liefert den Druck. Fertige Fassbierkühlschränke für Fässer bis 50 Liter kosten ohne Zapftechnik je nach Händler etwa 390 bis 600 Euro, ein Komplettgerät mit zwei Hähnen rund 740 Euro (Stand September 2026). Ein typisches Gerät verbraucht laut Datenblatt 173 kWh im Jahr, bei 35 Cent je kWh also gut 60 Euro. Billiger als der Kasten wird das Bier damit nie – der Kegerator lohnt sich für alle, die regelmäßig ein großes Fass anstechen und im Partykeller jederzeit zapfen wollen.
Der Name ist ein Kunstwort aus „Keg“ und „Refrigerator“, dem englischen Wort für Kühlschrank. Gemeint ist ein Gerät, das ein großes Fass dauerhaft kalt hält und am Hahn zapffertig macht, ohne dass du jedes Mal eine Anlage aufbaust.
Was ist ein Kegerator?
Ein Kegerator besteht aus vier Bausteinen. Der Kühlschrank hält das Fass auf Lagertemperatur; der Deutsche Brauer-Bund empfiehlt, Bier bei 4 bis 7 °C zu lagern. Im Innenraum steht das Keg mit aufgesetztem Zapfkopf. Eine CO2-Flasche mit Druckminderer drückt das Bier aus dem Fass und füllt den frei werdenden Raum mit Kohlensäure statt mit Luft. Und auf dem Deckel sitzt eine Zapfsäule mit Hahn, zu der eine kurze Bierleitung durch die Decke des Geräts führt.
Damit arbeitet der Kegerator genau andersherum als die klassische Leih-Anlage vom Getränkehändler. Dort steht das Fass ungekühlt neben dem Tisch, und ein Durchlaufkühler kühlt das Bier erst auf dem Weg zum Hahn. Im Kegerator ist das ganze Fass kalt, die Leitung bleibt kurz, und das erste Glas läuft ohne Vorlauf. Ein Beispiel aus dem Alltag: Du kommst am Freitagabend nach Hause, gehst in den Keller und zapfst dir ein Pils – ohne Fass zu schleppen, ohne Kühler anzuschließen und ohne danach aufzuräumen.
Unter Hobbybrauern gibt es noch eine Variante: den Keezer, eine umgebaute Gefriertruhe (aus „Keg“ und „Freezer“). Er nimmt meist mehrere kleine Fässer auf und bleibt fest an seinem Platz, während der Kegerator auf Rollen steht und schon ab Werk wie ein Zapfgerät aussieht.
Quellen: Deutscher Brauer-Bund, Bierpräsentation; Hobbybrauer-Forum, Keezer, Kegerator, Pygmy oder Jockeybox?
Fertiggeräte: worauf es ankommt
Welches Fass passt hinein?
Fertige Fassbierkühlschränke wie der unten beschriebene BK160 sind laut Hersteller für Fässer von 10 bis 50 Litern ausgelegt. Entscheidend sind aber nicht die Liter, sondern die Maße. Ein Keg nach DIN-Maß hat laut Hersteller Blefa immer einen Durchmesser von 36,3 cm; die Höhe wächst mit dem Inhalt von 30 cm (20 Liter) über 40 cm (30 Liter) auf 60 cm (50 Liter). Das EURO-Keg ist mit 39,5 cm breiter und bei 50 Litern mit 53,2 cm niedriger. Welche Bauform dein Fass hat, hängt von der Brauerei ab – mehr dazu im Ratgeber zum Bierfass.
Ein verbreitetes Gerät ist der Exquisit BK160, den mehrere Händler auch im Set verkaufen. Sie geben den Innenraum mit 72 × 53,5 × 48 cm an (Höhe × Breite × Tiefe). Ein 50-Liter-DIN-Keg passt also mit rund 12 cm Luft für den Zapfkopf hinein (eigene Rechnung). Zwei 20-Liter-Fässer nebeneinander passen dagegen nicht: Schon zwei DIN-Kegs brauchen rund 73 cm Breite (eigene Rechnung). Wer zwei Sorten zapfen will, braucht deshalb ein breiteres Gerät oder schlankere Fässer.
Temperatur
Fassbierkühlschränke wie der BK160 regeln in einem schmalen Bereich, Exquisit gibt 2 bis 8 °C an. Das passt zur Empfehlung des Brauer-Bunds, helle, schlanke Biere mit 6 bis 8 °C zu servieren. Weil das Bier auf dem kurzen Weg zum Hahn kaum wärmer wird, kannst du im Kegerator ziemlich genau die Temperatur einstellen, mit der es ins Glas soll. Welche Sorte welche Temperatur verträgt, steht im Ratgeber zur Biertemperatur. Geräte für Hobbybrauer sind oft weiter regelbar – der KegLand Series X.1 zum Beispiel laut Händlerangabe von 0 bis 28 °C.
Stromverbrauch und Energieklasse
Laut Datenblatt verbraucht der Exquisit BK160-HE-300G 173 kWh im Jahr, nimmt 66 Watt auf und hat eine Geräuschangabe von 42 dB(A). Er trägt die Effizienzklasse G, die unterste Stufe der Skala. Händler nennen für baugleich wirkende BK160-Geräte abweichende Werte zwischen 0,5 und 0,9 kWh am Tag, also rund 180 bis 330 kWh im Jahr (eigene Rechnung). Schau deshalb auf das Energielabel des Geräts, das du tatsächlich kaufst.
Hähne und Lieferumfang
Beim Lieferumfang lohnt ein zweiter Blick. Das Grundgerät ist oft nur der Kühlschrank mit Reling, Tropfschale und Halterung für die CO2-Flasche. Im Set kommen Zapfsäule, Kompensatorhahn, Zapfkopf, Druckminderer, Schläuche und eine gefüllte 2-kg-CO2-Flasche dazu. Ein Kompensatorhahn bremst das Bier trotz Druck, sodass es ruhig ins Glas läuft. Beim KegLand-Gerät mit zwei Hähnen sind Säule, Hähne und Druckminderer dabei, CO2-Flasche und Fässer aber nicht; es ist auf bis zu vier 19-Liter-Fässer ausgelegt, wie sie Hobbybrauer verwenden.
| Gerät (Beispiel) | Fässer | Temperatur | Strom | Hähne | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|---|---|
| Exquisit BK160-HE-300G | 10–50 l | 2–8 °C | 173 kWh/Jahr, Klasse G | keiner, Säule nachrüsten | 390–600 € |
| BK160 im Händler-Set | 10–50 l | 2–8 °C | 0,5 kWh/Tag (Händlerangabe) | 1 Kompensatorhahn, CO2-Flasche 2 kg | je nach Händler |
| KegLand Series X.1 Dual Flow | bis 4 × 19 l | 0–28 °C | 85 W Leistungsaufnahme | 2 Kompensatorhähne, ohne CO2-Flasche | 740 € |
Quellen: Exquisit, Produktdatenblatt BK160-HE-300G inox (Verbrauch, Klasse, Leistung, Geräusch, Maße) und Herstellershop exquisit.de (2–8 °C, ab 599,95 €); Blefa, DIN-Kegs und EURO-Kegs; Händlerangaben ich-zapfe.de (Innenmaße, 0,5 kWh/Tag, Set-Umfang), gastro-brennecke.de (0,9 kWh/Tag, 470 €), geizhals.de (ab ca. 390 €) und mashcamp.shop (KegLand Series X.1, 739 €) – Preise Stand September 2026.
Selber bauen: das Prinzip
Im Eigenbau entsteht ein Kegerator meist aus einem gebrauchten Kühlschrank oder einer Gefriertruhe. Das Prinzip ist immer gleich: Ein externer Temperaturregler sitzt zwischen Steckdose und Gerät und schaltet den Kompressor ein und aus. Bei einer Gefriertruhe ist das Pflicht, denn ihr eigener Thermostat würde das Bier einfrieren. Hobbybrauer berichten von fertigen Reglern wie dem Inkbird ITC-308 und raten zu einer Schaltdifferenz von mindestens 2 °C, damit der Kompressor nicht ständig anspringt.
Die zweite Frage ist die Durchführung für Säule und Leitungen. In den Wänden moderner Kühlschränke verlaufen Kühlmittelleitungen; wer eine davon anbohrt, macht das Gerät unbrauchbar. Erfahrene Hobbybrauer suchen deshalb vor dem Bohren mit einem Ortungsgerät, wo die Leitungen liegen. Beim Keezer umgeht man das Problem ganz: Auf die Truhe kommt ein Holzrahmen, in dem die Hähne sitzen, und die Truhe selbst bleibt unversehrt. Als Erfahrungswert nennt ein Hobbybrauer für seine als Bierlager genutzte Truhe rund 75 kWh im Jahr – deutlich weniger als ein stehender Fassbierkühlschrank.
Die CO2-Flasche kann innen oder außen stehen. Innen spart sie Platz und ist geschützt, außen lässt sie sich leichter wechseln, und du liest den Druckminderer ab, ohne die Tür zu öffnen. Fertiggeräte wie der BK160 haben dafür eine Halterung an der Rückwand.
Druckteile sind Fachteile: CO2-Flasche, Druckminderer, Zapfkopf und Leitungen stehen unter Druck. Die DGUV Regel 110-007 für Getränkeschankanlagen verlangt, dass Druckgasflaschen senkrecht stehen, gegen Umfallen gesichert sind, nicht erwärmt werden und nur über einen geeigneten Druckminderer mit Sicherheitsventil entleert werden. Leitungen müssen fest und dicht verbunden sein und dürfen nicht geknickt oder gequetscht werden. Kauf diese Teile fertig und für Getränke vorgesehen, bau sie nach Herstelleranleitung ein und verändere nichts daran. Beim Selbstbau ist nur das Gehäuse Bastelarbeit – die Drucktechnik nicht.
Quellen: BGN, DGUV Regel 110-007, Abschnitt 5; Praxiswerte: Hobbybrauer-Forum, Umbau einer Gefriertruhe und Kühlschrank Loch bohren; Malzknecht, Keezer (Erfahrungswert 75 kWh im Jahr).
Rechnet sich ein Kegerator?
Das Bier aus dem großen Fass kostet je Liter etwa so viel wie aus dem Partyfass: Ein 30-Liter-Keg Pils liegt ohne Pfand bei rund 2,00 bis 3,50 Euro je Liter, ein 5-Liter-Partyfass bei 2,30 bis 2,90 Euro. Beim Kegerator kommen Gerät und Strom dazu, und die laufen das ganze Jahr. Wie stark das ins Gewicht fällt, hängt davon ab, wie viel du zapfst.
Für die Rechnung nehmen wir an: Das Gerät kostet mit Zapftechnik 700 Euro und hält fünf Jahre, das sind 140 Euro im Jahr. Dazu kommen 173 kWh Strom zu 35 Cent, also rund 61 Euro. Zusammen fallen damit gut 200 Euro im Jahr an, die CO2-Füllungen noch nicht eingerechnet.
| Nutzung | Bier im Jahr | Gerät + Strom je Liter (ca.) |
|---|---|---|
| ein 30-Liter-Keg im Monat | 360 l | 0,56 € |
| ein 30-Liter-Keg alle zwei Monate | 180 l | 1,11 € |
| vier 30-Liter-Kegs im Jahr | 120 l | 1,67 € |
Wer jeden Monat ein Keg leert, zahlt also rund 2,55 bis 4,05 Euro je Liter – das liegt in der Nähe des Partyfasses mit Kühler, aber weit über dem Kasten, der im Angebot etwa 1,10 bis 1,40 Euro je Liter kostet. Zapfst du nur ein paar Mal im Jahr, schaltest du das Gerät zwischen den Fässern besser ab, dann sinkt der Stromanteil deutlich. Der eigentliche Gewinn liegt woanders: weniger Fasswechsel, weniger Müll, und das Fass bleibt unter Kohlensäure länger frisch als ein belüftetes Partyfass. Wie lange genau, erklärt der Ratgeber zur Haltbarkeit von Fassbier. Trinkst du eher allein oder zu zweit, passt ein kleines System wie PerfectDraft oft besser – einen Vergleich findest du bei den Heimsystemen.
Rechenannahmen (eigene): Gerät 700 €, Nutzung fünf Jahre, Strom 35 Cent je kWh, Verbrauch laut Exquisit-Datenblatt 173 kWh im Jahr, Dauerbetrieb. Bierpreise ohne Pfand wie auf unserer Startseite belegt (Kegs: getraenke-frieling.de, bls-getraenke.de, schanksysteme24.de; Partyfass: geizhals.de; Kasten: aktionspreis.de), Stand September 2026.
Aufstellung: Luft, Platz und Keller
Ein Fassbierkühlschrank gibt seine Wärme nach außen ab und braucht deshalb Luft. Händler weisen beim BK160 ausdrücklich darauf hin, dass das Gerät nicht unter eine Arbeitsplatte gehört und gut belüftet stehen muss. Das Exquisit-Datenblatt nennt 62 cm Gerätetiefe und 67 cm Tiefe mit Wandabstand – plane also rund 5 cm Luft hinter dem Gerät ein (eigene Rechnung). Mit geöffneter Tür braucht es 119 cm Tiefe, und das Leergewicht liegt bei 43 kg. Für die Kellertreppe braucht es also zwei Leute.
Im unbeheizten Keller oder in der Garage lohnt ein Blick auf die Klimaklasse. Sie gibt an, für welche Raumtemperaturen das Gerät gebaut ist; das Exquisit-Datenblatt nennt SN-ST, ein Händler für das Set-Gerät die Klasse N. Und denk an das Gas: Die DGUV Regel 110-007 verlangt Schutzmaßnahmen, wenn sich ausströmendes CO2 in einem Raum auf mehr als 3 Volumenprozent anreichern kann – etwa ausreichend Raumvolumen, Querlüftung oder eine Gaswarnanlage mit Voralarm bei 1,5 Volumenprozent. Die Regel ist für Betriebe geschrieben, taugt aber als Maßstab für einen kleinen, fensterlosen Partykeller.
Quellen: Exquisit, Produktdatenblatt BK160-HE-300G inox; BGN, DGUV Regel 110-007, Abschnitt 5; Händlerangaben ich-zapfe.de (Belüftung, nicht unterbaufähig, Klimaklasse N).
Pflege: Leitung, Hahn und Innenraum
Auch wenn das Fass kalt steht, setzen sich in Leitung und Hahn Bierreste ab. Spül die Anlage bei jedem Fasswechsel und reinige sie regelmäßig gründlich; die DGUV Regel verweist für Verfahren und Abstände auf die Norm DIN 6650-6. Wie das zu Hause Schritt für Schritt geht, zeigt der Ratgeber Zapfanlage reinigen. Beim Exquisit-Gerät taust du laut Datenblatt von Hand ab – das erledigst du am besten, wenn ohnehin gerade kein Fass drinsteht.
Quellen: BGN, DGUV Regel 110-007, Abschnitt 5; Exquisit, Produktdatenblatt BK160-HE-300G inox.
Häufige Fragen
Passt ein 50-Liter-Fass in jeden Fassbierkühlschrank?
Nein. Ein 50-Liter-Keg nach DIN-Maß ist 60 cm hoch, dazu kommt der Zapfkopf. Prüf deshalb die Innenhöhe und die Innentiefe des Geräts und frag beim Händler, ob EURO- oder DIN-Kegs gemeint sind. Geräte mit rund 72 cm Innenhöhe nehmen ein 50-Liter-Fass auf.
Kann ich einen normalen Kühlschrank nehmen?
Im Prinzip ja, wenn das Fass hineinpasst. Oft stören Gemüsefach und Türfächer, und für die Säule brauchst du eine Durchführung, die keine Kühlleitung trifft. Die Drucktechnik – CO2-Flasche, Druckminderer, Zapfkopf – kaufst du fertig und baust sie nach Anleitung ein.
Wie viel Strom verbraucht ein Kegerator?
Ein verbreitetes Fertiggerät kommt laut Datenblatt auf 173 kWh im Jahr. Bei 35 Cent je kWh sind das rund 61 Euro (eigene Rechnung). Händler nennen für ähnliche Geräte bis zu 0,9 kWh am Tag; maßgeblich ist das Energielabel deines Geräts.
Kegerator oder Zapfanlage mit Durchlaufkühler?
Für Feste mit vielen Gästen ist der Durchlaufkühler besser, denn er kühlt auch warme Fässer schnell herunter und lässt sich mitnehmen. Der Kegerator ist die Lösung für den festen Platz: Das Fass steht über Wochen kalt und angeschlossen, und du zapfst jederzeit ein einzelnes Glas.